Ein Fußball-Abenteuer

oder: Ein Abend mit Sean Bean...
(...und Steve und Paul und Gareth und Natalie und einigen Anderen)

 

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Zweiter Teil

Renate:
Nach zwei oder drei prüfenden Blicken zum Himmel (der - wenn möglich - jetzt noch schwärzer schien, als vorhin - und war das nicht der Wind, der da so schaurig heulte?) entschieden wir uns in stiller Eintracht, auf die große Sightseeing-Tour durch Sheffield zu verzichten. Schließlich waren wir ja auch nicht hierhergekommen, um die Stadt zu anzuschauen, und außerdem waren da ja noch die Voucher für was zum Trinken in der Hotelbar.

Entspannt machten wir uns dann zwei Stunden später auf in unser Hotelzimmer - langsam, fanden wir, war es an der Zeit, mit den Vorbereitungen für den Abend zu beginnen. Was, in meinem Fall erst mal hieß: Ab in die Badewanne für ein längeres heißes Bad. Erfrischt an Körper und Seele fühlte ich mich danach auch größeren Herausforderungen gewachsen - und das war nur gut, bei dem was da noch vor uns lag. Und das war - natürlich - nur der erste Teil der notwendigen Vorbereitungen gewesen. Wie jeder weiß, brauchen Frauen mindestens ein bis zwei Stunden, um die natürliche, gesunde Gesichtsfarbe mittels Auftrag diverser Cremes, Make ups und Mittelchen herzustellen und dann wo... wo zum...Geier ist mein Lipgloss for die besonderen, die ganz besonderen Gelegenheiten?

Nachdem wir diese grundlegenden Herausforderungen gemeistert hatten sahen wir uns nun mit einem wirklich lebensbedrohlichen Problem konfrontiert: Wieviel Uhr ist es eigentlich in England?? Zu diesem Zeitpunkt waren wir nur noch sicher, welche deutsche Zeit wir hatten (die war schließlich auf meiner Armbanduhr) - und zu der ist es eine Stunde Unterschied - aber in welche Richtung grad' nochmal? Suchende Blicke in Richtung einer - irgendeiner - Uhr führten zu keinem Ergebnis. Also machten wir den Fernseher an, und zappten uns durchs Programmangebot. Dabei haben wir einen bemerkenswerten fernseh-kulturellen Unterschied festgestellt: Wenn man in Deutschland durch die Programme klickt, wird eine Uhr gezeigt - und üblicherweise gibt es auch zwischen den Sendungen und vor den Nachrichten eine Zeitanzeige.

Und in England? Nada. Wir haben extra in einige, wie wir fanden, ziemlich grauslige, Sendungen hineingeschaut, und haben sogar einen Nachrichten-Zipfel erwischt - aber nie war eine Zeit dabei!

So haben wir uns - Abenteuerer die wir sind - schließlich entschlossen, unseren Instinkten zu trauen, die sich ja auch schon des öfteren in der Vergangenheit bewährt hatten.

Und tatsächlich - es war 18:30 Uhr, als wir uns vor dem Eingang der Platinum Suite wiederfanden, wo wir - sehr zu unserer Erleichterung - auch noch ein paar andere Leute sahen - nett gekleidet und still vor sich hin bibbernd - genau wie wir.

 

   
           

von links nach rechts: Evi, Donna, Renate, Renate

Verwendung des Photos mit freundlicher Genehmigung von Donna und Inigo

Evi:
Es war bitter kalt und stürmisch. Der Mann am Eingang erklärte uns, daß es eine zeitliche Verschiebung gegeben hätte und wir doch inzwischen in der Hotelbar warten sollten. Wir beschlossen zu bleiben. Meine 10cm- Absätze sind nicht fürs Bergsteigen geschaffen (das Hotel steht nämlich auf einem Hügel über dem Stadion). Aber die Türe zur "VIP-Suite" öffnete sich dann doch für die Besitzer der VIP-Tickets, wie uns. Sie hat einen direkten Zugang zu den exklusiven Sitzplätzen im Stadion. Die Gelegenheit, diese aus nächster Nähe zu sehen ergriffen wir dann auch, als wir mit Getränken versorgt waren.

Dort trafen wir auch die fünf Mitglieder von "The Mighty Bean“ (einer Fanseite und Forum über Sean Bean - Fotos und Bericht der "The Mighty Beans"-Mädels gibt es hier), samt Inigo, dem aus Spanien stammenden Ehemann von Donna. Die 'andere‘ Renate war sehr überrascht uns zu sehen, da wir kein Wort über unsere Pläne verlauten hatten lassen. Die anderen Gäste waren ganz offensichtlich keine Fans von Sean, aber Einheimische und Mitglieder und Unterstützer von Sheffield United.

 

 

           

Renate:
Wir wanderten dann erstmal gemütlich Richtung Stadion, das nicht komplett im Dunkeln lag, sondern durch einige Spots teilweise erleuchtet war - ein hübscher Anblick für Fußball-Romantiker und nicht unwillkommen für diese bayerischen Mädels aus der Stadt mit den zwei großen Fußballclubs - München.

Aber da es in der Zwischenzeit nicht wärmer geworden war, entschlossen wir uns ziemlich bald, den strategischen Rückzug nach drinnen zu unseren Drinks anzutreten. Zurück an unserem Tisch (nahe dem Eingang zur Bar) schaute ich zufällig gerade in Richtung zu besagtem Eingang, als mir plötzlich aufging, dass der unauffällige Typ, der da gerade hereinkam, irgendwie familäre Züge trug. Der ganze Moment war wie - oh, da ist dieser Mensch, der genau wie jeder andere hereinkommt - nur das er eine Maske mit dem berühmten Gesicht von der Leinwand trägt - mit diesen mir so gut bekannten, charakteristischen Zügen - kurzes dunkelblondes Haar - Bartstoppeln. Ein sehr gut sitzender, dunkler Anzug, offenes weißes Hemd. Er und seine Entourage gingen still und leise durch die herumstehenden Leute, niemand reagierte auch irgendwie besonders, nur ein Mann klopfte ihm auf die Schulter und begrüßte ihn. Und von diesem Moment an - und wirklich erst von diesem Moment an - habe ich dann geglaubt, dass der Sean Bean wirklich da sein würde :-)

 

           
   

Evi:
Immer mehr Menschen trafen ein, und plötzlich sah ich ein bekanntes Gesicht - Georgina, gefolgt von Sean, den ich aber erst danach bemerkte. Sie kamen inmitten einer kleinen Gruppe, deren Mitglieder sich aber alle kannten. Erstaunlicherweise war ich nicht überrascht ihn zu sehen, nur sehr erfreut. Ich hatte ja erwartet, daß er kommen würde, also waren meine Nerven vorbereitet.

Die Gruppe wurde durch den Eingang ins Stadion geführt, zu genau der Stelle wo nur ein paar Minuten zuvor wir auch standen. Sean folgte also unseren Spuren ...

Nach einer Weile kamen sie wieder nach drinnen und wurden um eine Ecke in einen anderen Teil des Restaurants geführt, außerhalb unserer Sicht.

           

Renate:
Irgendwie, irgendwer verteilte Fotos von Herrn Bean (als Sharpe - mehrere Motive - als Jimmy Muir und als Boromir - das wunderschöne Schwarz-Weiß-Foto von ihm) alle in einem aufwendigen Passepartout und mit dem Rollennamen unten eingedruckt. Ich konnte gar nicht glauben, dass wir, einfach so, eines von diesem Fotos bekommen würden - doch genau so war es. Als ich um die besagte Ecke herumging, weil ich gesehen hatte, dass dort ein großer Karton stand, und gucken wollte, ob noch andere Motive zur Auswahl bereitlägen, sah ich, dass Sean Bean, zusammen mit seiner Frau, einer anderen jungen Frau und einem wohlgenährten Mann in einem roten Pullover an einem der vielen leeren Tische saß - vielleicht 5 m entfernt. Jemand war gerade an seinem Tisch und er unterschrieb das Foto der Person. Ich entschied, dass ich mich unauffällig hier plazieren würde, um ein bischen zuzugucken - als einer der Jungs vom Personal plötzlich zu mir sagte, dass ich zu Sean gehen solle, er würde dann mein Bild unterschreiben - und naja, das habe ich dann gemacht. Blieb mir ja wohl nichts anderes übrig.

Und tja, immerhin hatte ich ja noch 2 bis 3 Sekunden, während ich hingelaufen bin, um mir was Intelligentes auszudenken, das ich zu ihm sagen würde. Da das nicht wirklich besonders viel Zeit war - und ich muß zugeben, dass ich auch nicht völlig Herrin über mein Sein war, habe ich dann einfach die Hand ausgestreckt die er auch genommen und geschüttelt hat. So weit so gut. Da ich übrigens entschlossen war, ganz die coole Bayerin zu sein, war ich voll damit beschäftigt, selbiges nicht zu vergessen und so war das einzige, was mir dann zu sagen einfiel, die simple Wahrheit: "Hallo, mir wurde gesagt, ich soll zu ihnen gehen, und sie würden dann dieses Foto signieren" Sehr cool und intelligent, ich weiß! :-)

Er nickte, fragte nach meinem Namen und wie der buchstabiert wird, und signierte meinen Boromir. So, dass hatte ja nun ganz gut geklappt - und nachdem das Stehen neben Sean Bean und mein Buchstabieren und sein Aufschreiben uns beiden eine gewisses Vertrauen in die Situation eingeflößt hatte, fischte ich das kleine Booklet der deutschen Sharpe-DVD-Box aus meiner Handtasche. Und dass, wenn schon nichts anderes, outete mich klar als Deutsche. Es ist gut möglich, dass niemand ihm gesagt hatte, dass ein paar Nicht-Briten anwesend sein würden - und ich war die erste, um den Beweis anzutreten. Nach einem kurzen Überraschungsmoment, und nachdem ich ihm sagte, dass ich ein klein wenig involviert gewesen wäre mit dieser Box, war er nett genug, auf dem Cover zu unterschreiben.

Nachdem mir nunmehr gar nichts mehr (weder intelligentes noch unintelligentes) einfiel, dass ich hätte sagen können, murmelte ich einfach nur etwas wie thank you, und er nahm meine Hand, und dann, als ob ihm plötzlich bewußt würde, dass er ein bischen mehr mit mir hätte sprechen sollen, schüttelte er sie sehr intensiv, sagte etwas in der Richtung wie "a pleasure" oder "nice to meet you" oder vielleicht beides, und ich nickte nur ein bischen schüchtern murmelte etwas wie "no matter" - und entfloh. :-)

   
           
   

Evi:
Wir wurden gebeten uns mit den zuvor ausgehändigten Photos (ich bekam eines aus den letzen Sharpe-Filmen, die in Indien spielen, die ich mir aber nicht angeschaut hatte) in eine Reihe zu stellen. Renate stand ziemlich am Anfang der Reihe, so, selbst wenn ich meine Kamera greifbar gehabt hätte, wäre sie doch zu weit weg gewesen für Bilder von ihr mit Sean.

Renate war auf dem Weg zurück zu Ihrem Aussichtsplatz, als ich sie einfing und fragte, ob sie denn nicht nochmals mit nach vorne kommen wollte, wenn auch nur um mich vor Widrigkeiten zu beschützen. Seltsamerweise hatte sie gar nichts dagegen. :-)

Ich stand hinter der ‘anderen’ Renate, die Sean drückte und abbusselte.

           

Renate:
I stand dann da mit Evi so in der Schlange, und sagte gerade etwas zu ihr, als ich plötzlich und ganz unerwartet meinen Namen hörte - gesprochen mit dieser Stimme! Fast hätte ich geantwortet, aber dann kapierte ich gerade noch im letzten Moment, dass Sean ja gerade mit meiner Namensvetterin am Tisch stand.

 

   
           

Verwendung der Photos mit freundlicher Genehmigung von Donna und Inigo

Evi:
Dann kam mein großer Moment. Sean fragte mich nach meinem Namen, "Oh, what a lovely name.“ Was hätte er schon anders sagen sollen, hat er doch schließlich eine seiner Töchter auch so genannt? Ich sagte sowas wie, daß ich ihn in Macbeth gesehen hätte, und wie sehr mir das gefallen hätte. Das zu hören, freute ihn ganz offensichtlich. Dann erklärte ich ihm, daß ich ihn zwar jetzt gerne abküssen würde, aber mein Lippenstift leider nicht kußecht sei, und seine Gattin vermutlich da drüber nicht begeistert wäre. Er sah zu ihr, lachte und antwortete: "Yes, that colour wouldn't suit her." Ich bedankte mich und verzog mich nach hinten, aber nicht allzuweit, nur soweit um ihn aus der Entfernung gut im Blick zu haben. Halleluja, sieht Sean aus der Nähe großartig aus, und dann diese Stimme, und diese Augen - ich war mal wieder das Zentrum des Universums gewesen!

Bald danach wurden wir dringlichst gebeten, uns ins Erdgeschoß in die Platinum Suite zum Dinner zu begeben ...

 

           

 

 

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