Ein Fußball-Abenteuer

oder: Ein Abend mit Sean Bean...
(...und Steve und Paul und Gareth und Natalie und einigen Anderen)

 

 

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Vierter Teil

Renate:
Der Moderator kündigte an, dass man nun sein Foto zusammen mit Sean Bean knipsen könnte, und um sicherzugehen, dass die Schlange nicht zu lang wird, würde er nun Tischnummern ziehen, und würden dann die Leute von den angesagten Tischnummern bitte zum Fotomachen gehen? (Und bitte, bringen Sie ihre Kamera mit.)

Erinnert ihr Euch an die kleine Empore hinter Tisch Nr. 1? Dahin ist der Herr Bean jetzt gegangen - das war wie eine kleine Bühne, und was folgte, war eine Art "menschlicher Komödie", deren Mittelpunkt ein gutmütiger, sehr gut aufgelegter Star war, der jeden mit seiner guten Laune ansteckte. Die ersten Leute in der Schlange waren am Anfang eher etwas zurückhaltend, aber als sie von der Bühne herunterkamen, strahlten sie genauso wie der Bean Sean - und nach kurzer Zeit, als klar wurde, dass niemand irgendetwas zu befürchten hatte, entspannte sich die Schlange auf subtile Weise.

 

   
           

 

 

Evi:
Zuerst saß Sean auf einem der bereits erwähnten roten Stühle hinter einem Tisch. Aber so gut er auch auf diesen Thron paßte, stellte sich schnell heraus, daß das sehr unpraktisch und zeitaufwendig war, denn er mußte ja bei jedem Gast aufstehen, sobald dessen Kamera in Position war. Nachdem zehn glückliche Menschen ihre Zeit und ihr Photo mit Sean bekommen hatten, griff Steve ein und schob Stühle und Tische aus dem Weg. Von da ab mußte Sean halt stehen. Wenn ihm das möglicherweise auch nicht gefiel, blieb er trotzdem freundlich.

Nachdem schon die Hälfte der Tischnummern gezogen worden war, und frohe Menschen an ihre Tische zurückkehrten, wollten endlich auch unsere Tischnachbarn (zur Erinnerung – sie sind Förderer des Fußballvereins) ihr zweites Mal mit Sean haben. Wir hatten eine kleine Wette laufen, daß unser Tisch ganz sicher der letzte sein würde, der gezogen werden würde.

 

           

Renate:
Zwischen dem Foto-Shooting wurde dann Jimmy Bright angekündigt, ein Stand up-Comedian, der, wie es hieß, "gerade von Benidorm zurückgekehrt ist." Er trat ins Scheinwerferlicht und vom ersten Satz an, den er äußerte, lachte das Publikum. Nicht das ich irgendwas verstanden habe. Evi, glaube ich, hat sich da leichter getan!

 

           
   

Evi:
…unglücklicherweise verstand ich ziemlich viel von dem was er von sich gab, trotz all meiner Bemühungen es nicht zu tun. Es war halt einfach nicht meine Art von Unterhaltung. Aber ich tat was ich immer mache, wenn ich nicht flüchten kann: Vorgeben zuzuhören. Lachen wenn die anderen lachen und klatschen wenn die es tun. Offensichtlich war ich dabei so gut, daß meine Nachbarn ganz erstaunt waren, weil ich trotz des ausgeprägten Akzents die Witze verstanden hatte.

 

           

Renate:
am Ende der Einlage fragten uns unsere Nachbarn ganz fürsorglich, ob wir irgendetwas verstanden hätten? Stolz verkündete ich, dass ich doch tatsächlich ganze zwei seiner Witze verstanden hatte. Hah! Nicht schlecht, finde ich, denn wenn ich so nachdenke, wie es mir mit "Red Riding" gegangen ist, in dem Sean Bean schlicht brilliant spielt, habe ich nach den ersten 5 Minuten sogar aufgehört zu versuchen, irgendetwas zu verstehen! Aber die Schauspieler und der Film sind so gut, dass ich trotzdem alles wesentliche begriffen habe.....na ja, und vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich die Bücher vorher gelesen habe - und der Dialekt ist wirklich nicht so arg in Schriftform - vor allem, wenn man den Vierteiler in deutscher Übersetzung liest. :-)

 

   
           
   

Evi:
Oh, und ich bekam eine Unterrichtsstunde in Sheffieldisch. Nämlich, daß der Yorkshire-Akzent, in dem Sean in der Öffentlichkeit spricht, ein sehr abgeschwächter ist. Der, den er daheim spricht, hört sich für mich wie Chinesisch an. Oder es ist wie Münchnerisch im Vergleich zu Altbairisch im Gegensatz zu Hochdeutsch.

 

           

Renate:
Nach dem Jimmy Bright wurden die nächsten Tischnummern gezogen und inzwischen dämmerte uns, dass der Moderator unter dem (falschen) Eindruck stand, dass alle Leute von den "VIP"-Tischen schon die Gelegenheit gehabt hatten, während des "Meet and Greet" ihr Foto zu bekommen, deshalb zog er nur Nummern von den anderen Tischen. Die allerdings schienen auf geheimnisvolle Weise in der Zwischenzeit an Größe gewonnen zu haben, denn die Schlange wurde immer länger - anstatt kürzer, wie es eigentlich hätte sein müssen!

Nachdem die Zeit allmählich knapp wurde, versuchten Steve und seine Helfer nun, die Leute zum Schnellersein zu bewegen und der Moderator versuchte mit so etwas wie komischer Verzweiflung in der Stimme, die Leute anzutreiben - was in einem netten Gegensatz zu dem, was auf der Bühne passierte, stand. Hier begrüßte Sean Bean mit der größten Ruhe auf der Welt jeden mit Handschlag und einigen Worten, bevor er bereit war, für die Kamera zu posieren.

Da nun mittlerweile jeder seinen Tisch verlassen zu haben schien, um umherzugehen, anzustehen oder sich zu unterhalten, entschieden wir, dass wir es wagen könnten, uns in dem allgemeinen Durcheinander in die Schlange einzuschmuggeln - in der Hoffnung, dass auch wir es schaffen würden, ein "Ich mit Sean Bean"-Foto zu ergattern.

 

   
           

 

Evi:
An unserem Tisch wurde darüber diskutiert, ob wir uns nicht einfach in die Warteschlange schmuggeln sollten, natürlich nicht alle gleichzeitig und in dieselbe Lücke, weil das vielleicht doch jemandem aufgefallen wäre. Aber nachdem sich Renate und ich getraut hatten, tat es uns ein Paar nach. Das Schlimmste, was uns hätte passieren können, wäre daß uns der Aufpasser am Fuß der kleinen Empore erkennen und uns wieder auf unseren Platz zurück schicken würde. Aber wir waren von so weit hergekommen, also warum sollten wir uns von so einer Kleinigkeit aufhalten lassen? Jetzt wurde aber auch ich nervös als die Schlange vor mir immer kürzer wurde, ganz besonders als ich merkte wie freundlich Sean jeden behandelte. Würde er mich fragen, warum ich schon wieder hier bin?

 

           

Renate:
Die Leute in der Schlange hießen uns ohne Probleme willkommen - und kurze Zeit später war es es an uns, die Bühne zu betreten - was ich in dem beruhigenden Bewußtsein tat, überhaupt nicht aufgefallen zu sein - als Evi mir zuflüsterte, dass der Sicherheitsmensch sie gerade auf deutsch angesprochen hatte! Oh Mann. hamm wir jetza wirklich so hervorg'stoch'n??

Na, wie auch immer, keiner schickte uns von dannen und jedermann war - ganz im Gegenteil - sehr nett zu uns, und so gingen wir einfach weiter auf die Bühne.

 

   
           
   

Evi:
Renate hatte ihre gute Kamera den ganzen Tag mit sich rumgeschleppt, aber leider nicht am Abend - wegen der Handtasche. Meine arbeitet noch mit Filmrollen, so daß sich erst nach dem Entwickeln rausstellen wird, ob die Photos was geworden sind.

Als Renate dann in Seans Arm lag tat ich mein Bestes um im gleichen Rhythmus wie sie zu schwanken. Hey, ein Scherz – Sean hielt jeden sicher fest und sorgte dafür daß sich auch jeder wohlfühlte. Sie begann zu strahlen und lächelte über das was Sean zu ihr sagte.

           

Renate:
Als ich schließlich an der Reihe war, konnte ich mir nicht helfen, und strahlte wie ein Honigkuchenpferd und wir schüttelten Hände auf die wirklich netteste Art und Weise, bevor er mich für das Photo umarmte - oder sagt man - "er legte seinen Arm um meine Schulter?", Na, egal, als ich auf alle Fälle nach links guckte, wurde ich mir auf einmal der Tatsache sehr bewußt, dass ich - wow! - neben Sean Bean stand. Sean Bean! Und er hatte sich als so un-starmäßig und einfach als netter Mensch erwiesen.

Wenn es irgendwie möglich ist, strahlte ich noch mehr, als ich nach dem Fotografieren auf Wiedersehen sagte, und ich schaffte es sogar, irgendwas von "my website" und "writing a few lines" zu murmeln und dann - genau! - schüttelten wir wieder Hände - diesmal wirklich sehr enthusiastisch.

 

           
   

Evi:
Keine Zeit, um einer beinahe schwebenden Renate zu erklären, wie mein Photoapparat funktioniert, da mich der Aufpasser, der, als ich wartete sein Deutsch an mir testete, schon vorwärts schob. Schaue ich denn immer noch aus, als müßte man mich zu Sean schieben?

Oiso, ich erinnere mich, daß mich Sean festhielt, und wir beide etwas Freundliches murmelten, wie, schön sie wieder zusehen. Aber an das was danach kam habe ich keine Erinnerung mehr – da muß ich kurzfristig ausgesetzt haben, weil ich noch nicht mal mehr weiss ob wir uns nun die Hände geschüttelt haben. Aber ich kann mich gut an seinen herrlich festen Griff erinnern. Und daß ich ihn wieder nicht geküßt habe …

Sean sah inzwischen etwas müde aus, kein Wunder bei all den Menschen mit denen er schon gesprochen hatte, und die noch darauf warteten. Aber er roch immer noch frisch wie ein Maimorgen.

Auf dem Weg zurück bekam ich endlich auch Steven Cowens zu fassen, der im wahren Leben ein echt toller Mensch ist! Ich stellte uns vor und bedankte mich für den Abend und seine Wahl unseres Tisches mit den interessanten Gästen und der guten Aussicht.

Ich trage keine Armbanduhr, und mit all dem was an diesem Abend alles passiert war verlor ich jegliches Zeitgefühl. Sean und Georgina verließen die Veranstaltung wohl so gegen 1 Uhr morgens, als die Sängerin zu ihrem zweiten Auftritt zurückkehrte, dieses Mal mit Disconummern. Renate, die den ganzen Abend tapfer bei Mineralwasser geblieben war, bestellte sich ein Bier und stürmte dann die Tanzfläche um ihre überschüssige Energie loszuwerden. Ich bleib beim Weißwein und hatte wie üblich keine Lust zu tanzen.

Unsere Tischnachbarn hatten sich bereits verabschiedet, weil sie noch eine Stunde nach Hause hatten. Wir hatten uns über die Geschichte und Zukunft von Sheffield United, von Manchester United und Bayern München, das neueste Album vom Rod Stewart mit Soulklassikern, das heutige Essen, unser Hotel, Bezahl-Fernsehen, amerikanische Fernsehserien, und ja, auch über Seans Filme unterhalten. Der „Mighty Bean Tisch" war bereits leer, und bald darauf haben wir den immer noch gut gefüllten Saal auch verlassen.

 

           

Renate:
Jooo. Das war er also gewesen, unser Abend mit Sean Bean - und hatte er sich nicht als echt toll erwiesen? - Und jetzt war wirklich (schon) Bett-Geh-Zeit? Oooooh. Eine gewisse Müdigkeit mag irgendwo vorhanden gewesen sein, aber wir waren gleichzeitig immer noch hellwach, tja, und so ließen wir das Zu-Bett-Gehen für den Moment erst noch mal sein - ohne zu ahnen, als für wie sehr lang dieser "Moment" sich herausstellen würde!

 

   
           
           
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