Ein Fußball-Abenteuer

oder: Ein Abend mit Sean Bean...
(...und Steve und Paul und Gareth und Natalie und einigen Anderen)

 

 

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Fünfter Teil

 

           

 

 

Evi:
Wir beschlossen, den schönen Abend noch in unserer rund um die Uhr geöffneten Hotelbar zu feiern - mit Champagner. Was anderes wäre dem Anlaß einfach nicht würdig gewesen. .

 

           

Renate:
Übersprudelnd von dem was hinter uns lag und vom Champagner redeten wir ohne Unterlaß..

 

           
   

Evi:
Wir haben alles was wir an diesem Abend erlebt, gesehen und gehört hatten nochmals genußvoll und immer noch staunend versucht nachzuvollziehen. Ganz besonders natürlich alles was sich um Sean drehte. Er hatte den Saal wesentlich seltener verlassen um zu rauchen, als ich vorher gedacht hatte. Und noch was anderes ist mir aufgefallen: Während er beim Essen saß, wurde er am Tisch nicht gestört. Ich bezweifle, daß das auch in Deutschland so gewesen wäre.

 

           

Renate:
Interessanterweise fand der bayerische Schauspieler Maxi Brückner nach kurzer Zeit seinen Weg in unsere Unterhaltung, was vielleicht am End' gar nicht so verwunderlich ist. Wir finden beide, dass Brückner, mit seinem intensiven Spiel, seiner physischen Präsenz und besonders mit seiner Verwendung der bairischen Spra... ich meine - des bairschen Dialektes - schauspielmäßig dem Sean Bean fast näher ist, als der Mehrheit der deutschen Schauspiel-Garde mit ihrer exzessiven Verwendung des Hochdeutschen, dass in seiner Klarheit scharf wie ein Skalpell sein kann und seine eigene, kalte Schönheit hat - aber Achtung! Wenn man nicht vorsichtig ist, kann man sich an den Kanten verletzen.

Und ja, richtig geraten, das Bairische ist viel wärmer und mit den den weichen Kadenzen des Yorkshire-Dialektes rund um uns herum war es fast ein bischen wie "daheim" - nur das es sich wie ein fremdes Zuhause anfühlte - gleichermaßen bekannt und unbekannt.

"...Sprache ist tief verankert in den Menschen. Ich glaube, es gibt ihnen ein Verständnis darüber, wer sie sind und wohin sie steuern in ihrem Leben. Es formt sie..."
Übersetzung rg/Originalzitat from: "The Atlantis Code" by Charles Brokaw, Penguin books, London, England, paperback, 2009

Aufgrund der starken Dialekte, die unsere eigentliche (bairische) Muttersprache bilden, wachsen wir faktisch zweisprachig auf - und wir verstehen diese kaum merklichen Unterschiede die entstehen, wenn man sich in der Sprache ausdrückt, die einem "natürlich" ist, oder in der, die man sich erst angeeignet hat - man mag perfekt darin sein, aber es bleibt immer diese eine Barriere zwischen dir und der Sprache...

Sean Bean, der Schauspieler, weiß um diesen Unterschied. So hat er sich zum Beispiel dazu entschieden, die shakespearischen Zeilen in Macbeth mit einer yorkshirisch angehauchten  Färbung zu sprechen. Nie habe ich so etwas intensives gesehen. Wo andere große Schauspieler Macbeth spielen - und man findet sie bemerkenswert, ist er Macbeth - und dieser Macbeth bleibt unvergeßlich. 

Ist es also vielleicht nur natürlich, dass Sean Bean, mit diesem besonderen Sinn oder Instinkt, weiß, was ihn in einem Charakter heimisch werden läßt - und ihn so zum Leben erweckt? Und ist es also verwunderlich, dass er auch weiß, wo er zuhause ist? Und es vorzieht immer wieder dahin zurückzukehren? ...

 

   
           
   

Evi:
Als wir uns endlich entschlossen hatten, doch aufs Zimmer zu gehen, trafen Paul und Gareth, die beiden Sicherheitsleute ein, und erklärten, daß auch Steve gleich käme und es doch sehr nett wäre, wenn wir noch blieben. Wir brachten unsere Mäntel und die Photos von Sean, die uns vorher auf den Sofas Gesellschaft geleistet hatten, nach oben in Sicherheit …

 

           

Renate:
...und nutzten die Zeit für's Auffrischen vom Make up...

 

   
           

Evi:
… und kamen dann zurück.

Es stellte sich heraus, daß Steve und Sean alte Freunde sind, und Sean nur deswegen an dieser Veranstaltung teilgenommen hatte. Nach Steves Aussage wird das so ein einmaliges Ereignis bleiben. Der nächste Spendenabend wird vermutlich mit Spielern von Sheffield United als Ehrengästen stattfinden.

Die drei, und Natalie, die Losverkäuferin versuchten ihren breiten Yorkshire Akzent im Zaum zu halten, damit wir beide der Unterhaltung besser folgen konnten. Das klappte auch immer für ein paar Sätze und dann waren wir wieder aufs Raten angewiesen. Wir mußten richtig gut aufpassen, weil ja nun die schönen alten Geschichten aus Sheffield erzählt wurden.

Für die Einheimischen ist Sean immer noch der junge Mann aus Handsworth, der sein Fußballteam und ein gutes Fußballspiel liebt, und der wohl sein Glück außerhalb der Stadt gemacht hat, aber ganz sicher ist er hier kein Filmstar. Ich könnte dem kaum mehr zustimmen.

 

           

Renate:
Wir hatten einen vergnüglichen Abend verbracht,  aber für die  Männer und Natalie war es Arbeit gewesen. Das war also nun tatsächlich deren Freizeit und also eine Gelegenheit, abzuschalten.  Nachdem unsere strengen Sicherheits-Leute, Paul und Gareth, ihre Einsatzkleidung gegen etwas bequemeres getauscht hatten, wurden sie nun zu Yorkshire-Buam und Natalie zu einem Yorkshire-Madl. Es stellte sich heraus, dass sie alle Freunde von Steve sind, und sie zeigten die gleiche, höfliche lebhafte Neugierde an uns Fremdlingen, der wir zuvor schon an unserem Tisch begegnet waren. 

Nachdem wir klargestellt hatten, das wir zwar Fans sind, ja, aber nur ganz normal verrückt, und im übrigen auch in der Lage sind, uns über etwas anderes zu unterhalten als über den Bean Sean, war aus unserer Ecke in der Bar bald viel Gelächter und eine Vielzahl von Stimmen zu hören. Steve  hat einen trockenen Sinn für Humor, Paul spricht wirklich ein ordentliches Deutsch, dass er am  Ende des Abends sogar anwendete und Gareth wurde im Lauf der Zeit ganz schön mutig und ging sogar so weit, mich mit dem bösen "P"-Wort zu belegen! Hei! Bitte! Ich bin stolz auf meine Arbeiterklassen-Herkunft! Auf der anderen Seite behauptet er, dass er einen ziemlich guten Yorkshire-Pudding machen kann. Naja. Dann warte nur, Bua, wenn die Zeit reif ist, werde ich Wiedergutmachung verlangen :-) 


 

   
   

Evi:
Es war beinahe 5 Uhr früh als wir beide endlich anfingen uns zu verabschieden, und dabei heftigst geherzt und abgebusselt wurden

 

           

Renate:
Die Zeit war verflogen wie nichts - und am Ende bekamen wir unsere Umarmungen und Busseln von unseren "Stars" aus der zweiten Hälfte der Nacht - ich kann also jetzt wahrheitsgemäß behaupten, dass ich mit einem auserlesenen Teil der männlichen Sheffield-Bevölkerung Hände geschüttelt und geherzt und gebusselt habe. :-) 


           
   

Evi:
Renate fiel ins Bett, grad daß sie noch aus ihrem Kleid kam, so erschöpft war sie. Ich schaffte es immerhin noch unter die Dusche, aber dann bewegte ich mich erst wieder als Renate gegen 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein die Vorhänge aufzog. Dann mußte es aber schnell gehen, damit wir noch was vom Frühstück abbekamen, wobei Renate immer noch nicht wieder bei sich war, so nach dem Motto: "Ich kann's immer noch nicht glauben – haben wir wirklich Sean getroffen?"

 

 
           

Renate:
Hei! Ich habe mich nur sehr gefragt, ob diese ganze phantastische Nacht wirklich g'wesn is'? Und is' des v'lleicht a Wunder, wenn i'  fragn derf? 

 

   
           
   

Evi:
Aus-checken, Taxi zum Bahnhof, schneidender Wind am Bahnsteig, und dann im Zug zum Flughafen in Manchester.

 

           

Renate:
Ja, wir mußten immer noch heimkommen - zu unserem Heim. Im Zug zählten wir, für die Statistik, einige weitere Fußballfelder, 4 Tunnel und ziemlich viel Müdigkeit. 

Wir mußten immer noch durch die Flughafenkontrollen in Manchester, aber als die erfahrenen Reisenden die wir sind, hatten wir beide Extra-Taschen für das Handgepäck dabei - in Evis waren die beiden großen, signierten Sean-Bean-Bilder und in meiner (der Salamanca Einkaufstasche) eine Mischung aus diesem und jenem, unter anderen auch die paar Teile, die ich als Souvenirs im Sheffield-United-Fan-Shop erstanden hatte - allerlei praktische Dinge, wie Bleistifte mit SU-Logo und so was.

Als es dann an mir war, durch den Metalldetektor zu schreiten, tat ich das mit großer Selbstverständlichkeit, ich hatte ja sogar meinen Gürtel aus der Hose gezogen - als ich in der Sekunde, in der ich unter den Bogen trat, plötzlich realisierte, das ich - Kruzitürken - mein Handy total vergessen hatte!!! Zu spät - meine ganze Person began zu piepsen und nun wurde ich wirklich gründlich gecheckt - und noch gründlicher mein Handy. Nachdem wir beide glücklich wiedervereint waren, wurde ich zu meinem Handgepäck geschickt - da stand sie ganz unschuldig, meine große Salamanca-Tasche, bewacht von einer weiteren Security-Person - die mich nun in allerhöflichster Weise bat, doch bitte meine große Tasche zu öffnen?


Also, wenn man so gefragt wird, dann macht man dass natürlich, und warum auch nicht? Ich verstaue nie Flaschen oder Messer oder so was in meinem Handgepäck.... waaah! Und was war das? Ungläubig starte ich das Teil an, dass da aus der SU-Fanshop-Plastiktasche zum Vorschein kam - Eine... nein wirklich...länglich, mit einem rot-weiß gestreiften Etikett auf dem "Hendersons Relish" stand... und egal wie man es betrachtete - das war eine Flasche, und keine wirklich kleine, und da war eindeutig eine Flüssigkeit dadrinnen...

Flughafen-Bestimmungen bezüglich Flüssigkeiten sind was sie bekanntermaßen sind, und für eine Minute wußte ich wirklich nicht, was ich nun tun sollte? Für's Protokoll: ich habe sogar gefragt, ob ich, vielleicht, das Teil mit mir nehmen könnte? Es sei ja nur ein Souvenir? Aus Sheffield? (Nein.)  Nun gut. ich hatte genug über die strengen Flughafen-Sicherheitsvorschriften gehört  und freundete mich nun in großer Geschwindigkeit mit dem Gedanken an, mich von meinem Souvenir hier und jetzt zu trennen - nur das die Leute hier oben im Norden wirklich sehr sehr nett sind. 

Die Security-Lady schlug nämlich vor, meine große Shopping-Tasche einfach mit dem normalen Gepäck einzuchecken. Nachdem sie das zweimal wiederholt hatte, verstand ich auch langsam, was sie da meinte. Ah! Und habe ich wohl irgendwas in der Tasche, was ich auf dem Flug brauchen würde? Auch das wiederholte sie zweimal und half mir dann auch noch ganz groß-schwesterlich wohlmeinend und fürsorglich, die Tasche durchzusehen! Dann begleitete sie mich auch noch zum Eingang des Gepäck-Aufgabe-Schalters.   

Also, echt, ich schwöre, vor dieser Reise war ich eine kühle  und organisierte Deutsche gewesen - und was war ich jetzt? (Nein, bitte nicht antworten!) 

Der Rest der Reise verlief dann ohne besondere Ereignisse.


   
           
    Evi:
Bevor sie Renate zurück zum Check-in Schalter schickte, erkundigte sich die Dame von der Handgepäckskontrolle bei mir, ob unser Flugzeug schon bald ginge. Sie sorgte auch noch für einen Stuhl, damit das Warten für mich angenehmer sein würde. Das Beobachten von Menschen, die sich der meisten ihrer Kleidungsstücke entledigen mußten, weil die Sicherheitsschleuse nicht aufhörte zu piepen, war doch einigermaßen unterhaltsam. Leider waren keine attraktiven Männer darunter …
Dann warteten wir auf die Maschine nach München, und damit wir nicht verhungerten, gab‘s Ofenkartoffeln mit Käse und gebackenen Bohnen. Aber dann war‘s wirklich genug mit Bohnen für ein Wochenende. Ich war so müde, daß ich den Flug fast verschlief und nur zum Essen aufwachte.

Auf der Zugfahrt vom Flughafen nach München beschlossen wir, daß wer von uns beiden zuerst zuhause wäre, nur einen einzigen Satz über unser Abenteuer schreiben würde.

 

           

Renate:
...was dann aber doch ein paar mehr wurden...

 

   
           
  Alles in allem hoffen wir, dass ihr unser Abenteuer ebenso genossen habt, wir wir, und wir möchten unseren Bericht mit unserem eigenen Dank für all die wundervollen Leute und ihre tolle Gastfreundschaft schließen, der wir auf dieser Reise begegnet sind. Ihr seid die Besten. 100 %.


An Dank.

Renate und Evi, 24. Dezember 2009

Das Kleid, der Rucksack, der Boromir, die Shopping-Tasche - und die Flasche!

 

 
           
           
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