"...006 was such an interesting character and the film really explored his friendship with Bond and how it all went wrong, so it was a very personal journey for both characters..."

Sean Bean in einem Interview, 2006

Zitat
Quelle

"Sun Times ", 17. Dezember 2006, Fundort: Internet - rg/20. 12.2006

 

 

James Bond - 007 GoldenEye

seit 1998 auf DVD erhältlich.

Achtung Wiederholung!
im Deutschen Fernsehen
abends Samstag, 8. Oktober 2011/ 20:15 h - ARD

 

1995 übernahm Pierce Brosnan die Rolle des britischen Geheimagenten James Bond. Keine leichte Aufgabe, nicht nur für den Schauspieler, sondern auch für die Produzenten, die gefordert waren, nach dem nicht sehr überzeugenden Zwischenspiel von Timothy Dalton und angesichts einer rasanten Um-Entwicklung des Genres eine neue, glaubwürdige Definition Ihres Helden zu finden.

James Bond wurde mit Sean Connery in den 60ern zum Inbegriff des weltmännischen und jeder Situation gewachsenen smarten und harten Superhelden. Und: er war britisch. Und: er er war geschult zu töten. Bis dahin waren es vor allem die amerikanischen Gangsterfilme gewesen, die in einer gnadenlos brutalen Welt spielten, in der wenig geredet und viel geschossen wurde.

Mit dem kalten Krieg verlagerte sich das Interesse, auch der Filmbranche, auf den großen Gegensatz West gegen Ost. Der Held war nun der Geheimagent, der international agierte. Um jeden Preis mußte der Westen, unsere freiheitlich demokratische Welt, geschützt werden vor der als unheimlich, bedrohlich und sehr real empfundenen kommunistischen Gefahr aus dem Osten. Der technische Fortschritt wurde, auf beiden Seiten, in den Dienst der jeweiligen Sache gestellt. Gleichzeitig erforderte die komplexe Welt der Spionage den intelligenten, kenntnisreichen, sprachgewandten Tausendsassa, der den mit enormer Schläue vorgehenden Gegner enttarnen und überlisten konnte.

Keiner hat es dabei zu solcher Perfektion gebracht, wie James Bond. Nun könnte uns dieser Muster- und Meisterschüler leicht nerven oder langweilen, doch davor schützt ihn - und uns - seine britische Herkunft. Was sonst unerträglich überheblich wäre, wirkt bei Bond immer auch ein bischen drollig - und irgendwie süß. Vielleicht erklärt das ja auch seinen umwerfenden Erfolg bei den allerschönsten Frauen. Und, nicht zu vergessen, so ganz hundertprozentig ernst nimmt er das alles nicht - und wir müssen es also auch nicht und dürfen entspannt gespannt sein auf sein nächstes, tolles Abenteuer.

Sean Connery brachte zusätzlich eine Art animalischer Direktheit auf die Leinwand, die eigentlich im Gegensatz zu dem kultivierten Gentleman Bond stand. Aber vielleicht machte gerade das die Einzigartigkeit seiner Figur aus. Bis heute halten viele Connery für "den" Bond. Höhepunkt der Serie war "Goldfinger", 1964. Ich habe ihn mir erst neulich angeschaut und war überrascht wie viele berühmte Sequenzen, die man alle schon einmal gesehen hat, dieser Film enthält.

Sicherlich war es Absicht der Macher des neuen Bond, das der erste Pierce Brosnan 007-Film "GoldenEye" hieß. Brosnan sollte als der legitime Connery-Bond-Erbe plaziert werden. Die Story ist sorgfältig konzipiert, und der Film beginnt schon mit einer atemberaubenden Stuntsequenz. Der Sprung vom Damm ist ehrlich gesagt einer meiner Lieblingsszenen der gesamten Bond-Reihe. :-)

Was ich einigermaßen genial finde, ist jedoch die Wahl des Haupt-Bösewichts! Der kam sowieso in Deutschland als ziemliche Überraschung, denn in den Trailern und Vorschauen wurde voll auf Gottfried John, den bösen Sowjet-General abgestellt. Dabei begegnen wir dem eigentlichen Schurken gleich am Anfang und ich erinnere mich noch genau, wie der Schauspieler - hey! das ist doch dieser Sean Bean, wenn ich mich nicht sehr irre! - beim ersten Kinobesuch auf mich wirkte. Zufällig hatte ich nur noch Karten für eine Originalfassung des Films bekommen, und so hörte ich also erstmals auch die charakteristische Stimme von Sean Bean.

Die ganze Exposition vor dem eigentlichen Anfang ist stark und schon ein kleiner, meisterlicher Film für sich. Sie spielt 1986, also noch in der "guten, alten Zeit" des kalten Krieges, in einer Rüstungsfabrik der UDSSR. Pierce Brosnan, der m. E. immer ein bischen geschniegelt und mitunter zu glatt wirkt, kommt in dem Moment richtig in Fahrt, als er seinen Partner, 006/Alec Trevelyan (Sean Bean), trifft. Zusammen bilden die beiden ein perfektes und realistisches Team. Es macht Spaß, Ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Desto bedauerlicher scheint es, dass 006 am Ende des Vorspanns aus unserem Blickfeld verschwindet.

Geschickt blendet dann der Film über in die Jetztzeit von 1995. Bond, der Meister-Agent, ist mit der Wende zu einem Relikt des beendeten kalten Krieges geworden, von dem man nicht recht weiß, wohin mit ihm. Kann er sich der neuen Zeit anpassen? Dann passiert der Diebstahl einer Steuereinheit - wegen seines Aussehens genannt "Goldeneye" - für einen ehemals supergeheimen, extrem gefährlichen Satelliten der Sowjets, der entgegen der offiziellen Kenntnisse immer noch aktiv ist. Bond wird daraufhin auf die Spur der Verbrecher geschickt.

Die stärksten Szenen spielen in Rußland auf dem, wie ich ihn nenne, "Friedhof der gefallenen Helden-Figuren" der ehemaligen Sowjetunion. Gleich den zerborstenen Statuen ist auch Bond ein beschädigter, versteinerter Held. Wird er aus dem Irrgarten einer großen Vergangenheit herausfinden? Plötzlich hören wir im irrlichternden Halbdunkel eine bekannte Stimme.Gemächlich tritt eine schemenhafte Gestalt hervor. Das Wiedererkennen geschieht langsam, und mit Bond erkennen wir, das der geheimnisvolle, hinter dem Diebstahl des "Goldeneye" steckende Janus niemand anderer als der totgeglaubte Alec Trevelyan ist. Sean Bean gibt diesem gefallenen Agenten-Engel eine virile, animalische Lebendigkeit, die prompt auch auf Bond abfärbt. Das Zusammenspiel der beiden, nun auf entgegengesetzten Seiten stehend, ist klasse und gibt dem Film seinen weiteren Drive. Der finale Höhepunkt ist dann der Kampf Mann gegen Mann, 006 gegen 007, zwei gleichwertige Gegner, die sich nichts vergeben. Natürlich gewinnt Bond am Ende, aber man hofft doch bis zuletzt, dass 006 wenigstens mit dem Leben davonkommt, denn gleich Janus, dem doppelgesichtigen Gott, ist ja auch Bond, wenn man darüber nachdenkt, nur die Hälfte eines anderen Ganzen. Vervollständigung findet er nur durch seine andere, dunkle Hälfte, eben jenem charismatischen 006 - Alec Trevelyan. :-)

Goldeneye gilt als der bisher umsatzstärkste aller Bond-Filme, und damit als der erfolgreichste. Ich denke, das ein Gutteil dieses Erfolges auch dem anderen Mann mit der Lizenz zum Töten, 006, zu verdanken ist. Beide zusammen treten eigentlich das Erbe von Sean Connery an, dessen Bond den Widerspruch in sich selbst trug, der hier auf zwei Personen aufgeteilt ist. Danach wirkt m. E. auch Brosnan nie wieder so stark wie hier. Schade also, dass die Macher dieses Potential übersehen haben.

im Fernsehen
abends Freitag, 3. September 2010 / 20:15 h - Pro7
abends Samstag, 17. Oktober 2009/20:15 h - Pro7
abends Freitag, 24. Oktober 2008/20:15 h - Pro7
Sonntag, 26. August 2007/20:15 h - Pro7

Mittwoch 27. Dezember 2006/20.15 h - ZDF
abends Samstag 25. November 2006/23.30 - SF 1
abends Sonntag 01. April 2006/20.15 - ARD
abends 3. September 2004/20.15 h - ORF 1
abends 5. September 2004/20.15 h - ProSieben

www.jamesbond.de
 
update: rg/20. Dezember 2006 + + + upload: rg/31. August 2004
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