"...It's when you're talking about physical brutality and intimidation that the problem occurs and why people tend to feel that they should do something about it because they've been let down...."

Sean Bean in einem Interview, 2007

Zitat
Quelle

"BBC", 5. März 2007, Interview durch: Rob Carnevale, Fundort: Internet - rg/04.08.2007

 

Outlaw

im Deutschen Fernsehen:
am Freitag, 28. Mai 2010 - 23.25 h / Tele 5
und Samstag nachts, 29. auf 30. Mai 2010 - 01:45 h / Tele 5

im Österreichischen Fernsehen:
am Sonntag, 3. Januar 2010 -  22:25 h / ATV
Wiederholung: nachts 3. auf 4. Januar 2010 - 02:40 h / ATV

ab 12. Januar 2009 in Deutschland auf DVD

ab 09. März 2007 in England im Kino.

ab 09. Juli 2007 in England auf DVD

 

 

Und gleich hier unten hier ist noch das aktuelle Poster der deutschen DVD-Ausgabe eingefügt :-) rg/05.01.09

Hinweis: diese Seite (aus 2007) wurde komplett neu überarbeitet. rg/06.12.08

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sean Bean war wirklich fleißig, neben dem Film "The Hitcher", einer Hollywood-Produktion, spielte er 2007 auch in der britischen Indie-Produktion Outlaw.

Hier geht es um ein heikles Thema: Inwieweit rechtfertigt eine zunehmend gewalttätige Umwelt, die von den offiziellen Kräften nicht mehr beherrschbar scheint, Selbstjustiz?

Vertigo Films, die englische Produktionsgesellschaft, hatte es mir bereits 2007 ermöglicht, den Film anläßlich einer Pressevorfügung in London am Dienstagabend, 6. Februar zu sehen.

Erfreulicherweise kommt nun - fast zwei Jahre später - Outlaw auch in Deutschland auf DVD heraus, am 12. Januar 2009. Das Bonusmaterial scheint der englischen DVD zu entsprechen, es wird eine deutsche und eine englische Tonspur enthalten sein.

Regisseur Nick Love ist in England mit seinem Film "Football-Factory" bekannt geworden, einem Film der vor allem durch seine Gewaltdarstellungen auffiel. Da geht man dann natürlich schon mit ein wenig Beklemmung in diesen neuen Film, denn das Thema ist auch wieder - Gewalt.

 

 

England im Jahr 2007. Bryant (Sean Bean) kehrt aus dem Irak nach England zurück. Der Soldat erkennt sein Land nicht wieder, Gewaltverbrechen, Drogen, Vergewaltigung und Mord scheinen in den Straßen zu regieren. Er entscheidet, das genug genug ist, es ist Zeit, zurückzuschlagen. Bald stoßen eine Handvoll Männer zu ihm und seiner Sache, gemeinsam nehmen sie das Recht in ihre eigenen Hände. Ihr Ziel: Die Schuldigen mit Gewalt zu bestrafen.

 

Der Film beginnt mit einer unwirklichen Einführung. Ein Pärchen auf dem Weg zur Hochzeit. Als sie an einer Ampel halten müssen, sieht der Bräutigam (Danny Dyer) voller Entsetzen sein eigenes Erinnerungsbild, umkränzt von Blumen, am Straßenrand.

Völlig verunsichert versucht er der Szene zu entkommen - vergebens. Seine Flucht endet in einer Sackgasse.... Und schweißgebadet wacht Danny Dyer in seinem Bett auf. Ein Alptraum.

Doch kaum haben wir uns - zusammen mit Danny Dyer - etwas beruhigt, schon stürmt die nächste Szene auf uns ein, und diesmal müssen wir erkennen, dass sie sich in der Realität abspielt. Ein Soldat (Sean Bean) kehrt aus dem Irak-Krieg heim, doch sein Schlüssel öffnet nicht mehr die Wohnungstür. Seine Frau ist nicht mehr seine Frau, ein anderer hat seinen Platz eingenommen. Auf der Straße lungern eine Handvoll agressiver Teenager herum, und als er abzieht, kommt es nur Konfrontation.

Und wieder Szenenwechsel: Ein Anwalt verabschiedet sich von seiner hochschwangeren Frau, um zu einer Gerichtsverhandlung zu fahren. Im Gericht wird er auf der Herrentoilette von einem Unbekannten bedroht. Als er sich nicht auf die Forderung des Unbekannten einläßt, wird wenig später seine Frau daheim überfallen und schwer verletzt. Quälend lange und hautnah werden wir Zeugen dieser Tat.

Unruhig bewegt sich die Kamera zwischen den Personen. Immer wieder werden reale - oder real erscheinende - Nachrichtenschnipsel, zusammen mit einem hektisch laufenden Nachrichtenband am unteren Bildrand, eingeschnitten. Wir hören von einem Studenten, der brutal von einer Bande Jugendlicher überfallen und schwer verletzt wurde. Zwar wurden die Täter gefaßt, die Strafe ist jedoch so niedrig, dass sie sich nach wenigen Monaten bereits wieder auf freiem Fuß befinden. Anders als der Student, der länger im Krankenhaus liegt, als die Haftstraße dauert und durch Schnittverletzungen im Gesicht für sein ganzes Leben entstellt ist...

 

Und wieder Szenenwechsel. Ein kleiner, magerer Kerl sitzt vor einer gewaltigen Wand von Video-Bildschirmen. Es ist der Kontrollraum eines trostlosen Hotels, und auf jedem Bildschirm laufen Szenen aus den Hotelzimmern ab. In einem von ihnen sehen wir den Soldaten wieder, der sorgfältig einen Koffer voller Waffen verstaut.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt erkennen wir Zuschauer, dass kein Entrinnen möglich ist. Ebensowenig wie Sean Beans traumatisierter Soldat findet man in diesem Film einen Ort, an dem man sich unbeobachtet ein wenig ausruhen könnte. Alles ist ständig in Bewegung, es gibt kein Schutz mehr, weder an den Orten noch durch die Institutionen. Das Gefühl des Unbehagens, dass einen schon bei der ersten Szene überfallen hat, wird einen den ganzen Film über begleiten. In gewisser Weise erinnert die Atmosphäre an das Klima der allumfassenden Verunsicherung, das in der BRD in den Jahren der Terrorakte durch die RAF herrschte.

Hinweis: ab hier Fortsetzung rg/30.12.2008

Doch anders als in der "Bleiernen Zeit" der 1970er Jahre in Deutschland, als, trotz aller Zweifel, Regierung und Polizei den Terroristen ein Bollwerk entgegensetzen konnten, ist nun auch diese Gewißheit verschwunden.

Bob Hoskins, der einen desillusionierten Polizisten spielt, verzweifelt an seinem Job. Weder war er in der Lage, die schwangere Frau des (schwarzen) Anwalts zu schützen, noch wird seine Geradlinigkeit, mit der er seinen Job 30 Jahre lang ausübte, honoriert. Im Gegenteil, abgeschoben auf einen Betreuungsposten für die allgegenwärtigen öffentlichen Sicherungskameras bleibt ihm nur, die allgegenwärtige Gewalt zu sehen, ohne eingreifen zu können.

Gnadenlos führt uns Regisseur Nick Love eine orientierungslos gewordene Gesellschaft vor, in der keiner mehr weiß, was gelten soll. Sicherheit ist nur eine Illusion, vermittelt durch die sinnentleerten hektischen Aktivitäten der offiziellen Stellen. An die Stelle von Bekämpfung ist Beobachtung getreten - ähnlich wie die vielen Sicherheitskameras sind auch die Medien, die so fleißig Gewalttaten anprangern, ohne eigentlichen Nutzen. Verkommen zur Unterhaltungsware bedienen sie sich der Realität, die zunehmend durch ungeahndete Verbrechen bestimmt wird, um die Menschen mit flimmernden Bildern abzulenken.

In diese Welt kommt Sean Beans Soldat. Ein Mann der Tat, kein Beobachter, ausgebildet und erfahren im Kampf. Sean Bean spielt ihn mit einer nur mühsam unterdrückten Agressivität, die jeden Moment hervorbrechen kann. Er beherrscht, als einziger der beobachteten Figuren, das Spiel, das ihnen von den Brutalos der Gesellschaft aufgezwungen wird. Gewalt beantwortet er mit Gegen-Gewalt - und ist erfolgreich damit.

Und wo die offizielle Justiz versagt, zeigt er den einzigen Weg, der dem Individuum bleibt: Selbst Justiz zu üben. Bald finden sich die gedemütigten Opfer in seinem Umfeld wieder.

 
 

Mit verblüffender Schnelligkeit überwindet er die Skrupel der anderen Männer. Selbst der gebildete, kultivierte Anwalt, der sich zunächst leicht angewidert abwendet, kehrt schon nach kurzer Zeit zurück. Seine Frau ist ihren schweren Verletzungen erlegen, und niemand wird den Schuldigen zur Rechenschaft ziehen, denn eine korrupte Justiz hat sich schon längst zur Prostituierten des mächtigen Mafia-Bosses gemacht. Er, der Anwalt, Teil und Verteidiger des Systems, erkennt, dass das worauf sein Leben aufbaut, das Gesetzbuch, nutzlos geworden ist.

Während der Männertrupp mühsam in die Techniken des Kampfes von Sean Bean erlernt, wird ihr neu erworbenes Wissen bald einer ersten Prüfung unterzogen. Im Pub kommt es zu einer Rempelei, und beim Treffen vor der Tür zeigt der Soldat, was Sache ist, und nach der anschließenden Prügelei, die sie für sich entscheiden, ist endlich der Damm gebrochen.

Von nun an werden sie sich nichts mehr gefallen lassen, sondern zurückschlagen.

Während der erste Teil des Films sehr intensiv die Disposition seiner Helden zeigt und der Zuschauer sich kaum dem Sog der Bilder und der Folgerichtigkeit der Entwicklung entziehen kann, läßt im zweiten Teil die Spannung etwas nach. In Robin-Hood-Manier bekämpfen nun die Männer, unter Führung von Bryant, Schlägertrupps, Hooligans, und sonstiges Gesindel, ohne das wir ganz genau wissen, wohin das führen soll. Sie kommen sogar in die Nähe des mächtigen Verbrecherbosses - doch in dem einsamen Farmhaus erkennen sie, dass sie in eine Falle getappt sind.

Wobei man sich als engagierter Zuschauer plötzlich mit einer Änderung der Anschauungsweise konfrontiert sieht. Wo bisher die offiziellen Gewaltenträger als desinteressiert und ineffektiv geschildert wurden, sind sie nun auf einmal - bei der Jagd nach den "Outlaws" - zu engagierten Gesetzeshütern geworden, die eine intelligente und erfolgreiche Strategie verfolgen - das widerspricht in gewisser Weise der eigenen Grundaussage des Films.

Es kommt, wie es kommen muß - verblüffenderweise! Das Ende ist ein - man möchte fast schon sagen - klassischer Showdown.

In gewisser Weise ist dieses Ende jedoch auch wieder passend - In der gefälligen Hollywood-08/15-Actionware, in der selbst größte Explosionen, gewaltige Einstürze, und jede Menge Waffengewalt anstandslos vorbeigehen, ohne wirklich jemandem wehzutun (dem Helden schon gar nicht) sind keine Brüche in der Entwicklung vorgesehen.

Vom ungerecht behandelten Helden, der der die Ordnung wiederherstellt und damit die bestehende Gesellschaftsordnung bestätigt, dürfen wir keine bleibenden Zweifel oder Beunruhigung erwarten.

Anders hier in "Outlaw", den ich deshalb für einen der spannendsten Filme der letzten Jahre halte. Die Darstellung der Gewalt in diesem Film ist tief verunsichernd und er erlaubt es seinen Protagonisten widersprüchlich bis zum Schluß zu bleiben,

Was vordergründig nur ein weiterer, gewaltverherrlichender "Action"-Film ist - und man kann den Film auch nur auf dieser Ebene ansehen und wird zufrieden sein - stellt sich bei näherer Betrachtung als eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in unserer Gesellschaft heraus.

Der hochbegabte, junge Regisseur Nick Love, der auch ein großes visuelles Talent hat, stellt eine Menge Fragen zu diesem Thema, ohne letztenendes eine allgemeingültige Antwort zu finden.

Wie soll nun ein Film enden, der uns zunächst schmerzhaft vor Augen führt, was Gewalt gegen Personen wirklich bedeutet?

Der uns dann eine Lösung vorführt, die zwar in gewisser Weise den Wunsch nach Gerechtigkeit erfüllt, aber gleichzeitig nicht von Dauer sein kann, da sie sich außerhalb jeder Ordnung abspielt?

Wohin führt die Eskalation von Gewalt und Gegen-Gewalt? Es lohnt sich, über diese Fragen nachzudenken.

Sean Bean, der mit Nick Love arbeiten wollte, nachdem er gehört hatte, um was es in dem Film geht, sagte zu, ohne ein Drehbuch zu kennen, und zeigt hier wieder einmal, warum er ein immer spannender Schauspieler ist.

 

 

 

 

 
 

 

schöne deutsche Website: dvd.senator.de/kauf_dvd/a_z/outlaw/

Offizielle englische Website: www.outlawthemovie.com

Bildherkunft: Bilder: 1 - 5 sowie offizielles Plakat und Vorlage für Hintergrundbild: Vertigo Films, Poster der deutschen DVD-Ausgabe: Universum-Film
 
update: 05. Januar 2009 + + + upload: 19. Januar 2007
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