Er ist der Mann mit der Video-Kamera - Schauspieler Jason Salkey, der den Rifleman Harris in der TV-Serie "Die Scharfschützen" spielte.

In der neuen deutschen "Scharfschützen"-DVD-Box (ab 8. November 2007 im Handel) sind 10-minütige Ausschnitte aus seinen berühmten"Harris Video Diaries" enthalten, die 7. Folge ist übrigens gerade erschienen. Die "Diaries" gehen über jeweils ca. 1 Stunde und geben faszinierende Einblicke in die Welt hinter den Kulissen...

Das folgende Interview ist ein laufendes Projekt, dies ist der erste Teil. rg/15. Dezember 2007

Und hier ist (endlich) der zweite Teil

Renate: Sie spielen den Rifleman Harris, einen dieser gewöhnlichen Soldaten in der britischen Serie. Wie würden Sie ihn beschreiben?

 

 
 

Jason: In dem Film "Die Scharfschützen - Das Banner des Blutes" beschreibt sich Harris selbst als "einen Höfling von König Bacchus und einen unermüdlicher Schuldenmacher" aber ich denke, das diese Beschreibung nur an der Oberfläche dieses komplexen, gebildeten Scharfschützen bleibt. Er kann lesen, schreiben und Codes knacken, Talente, die ihm sicherlich einen Aufstieg aus den Rängen der gemeinen Soldaten, der "Chosen Men" ermöglicht hätten, aber er scheint zufrieden mit seinem niedrigen Status. Vielleicht läuft er weg vor etwas daheim in England oder in ihm selbst. Das Leben als "Chosen Man" bedeutet Tod oder Leben, keine andere Verantwortung als die, dich selbst und deine Kameraden am Leben zu halten und siegreich zu sein.

Er möchte gerne in dieser Schutzzone bleiben, die Aussicht, einen Offiziersrang zu erwerben oder ein normales Leben daheim in England zu führen, bedeutet für ihn zuviel Verantwortung.

 

     

Renate: Können Sie uns erzählen, wie Ihnen die Idee dazu kam, die Video-Tagebücher zu machen?

 

 
  Jason: Ich habe das Fotografieren immer gemocht mit seiner Möglichkeit, einen Moment in der Zeit festzuhalten. Ich mag es auch, wichtige Ereignisse in meinem Leben zu fixieren und kurz nachdem ich den Job als Rifleman Harris bekommen hatte, wurde mir klar, das "Sharpe" so ein Erlebnis sein würde. Unglücklicherweise war ich nicht im Besitz einer Video-Kamera, als ich mich an diesem sonnigen Augustmorgen des Jahres 1992 in Richtung Krim aufmachte, denn dieses erste Jahr war teuflisch tumultös. Natürlich habe ich im Verlauf der ersten beiden Drehjahre Hunderte von Fotos geschossen, aber es wurde mir klar, dass es, um die Schönheit, Verrücktheit, Drögheit und das Ausmaß unserer Unternehmung auf der Krim einzufangen, bewegter Bilder bedurfte. So habe ich im dritten Jahr eine H-8-Video-Kamera zusammen mit meinen Fotoapparaten eingepackt und die "Harris Diaries" waren geboren.
     

Renate: Wieviele "Diaries" werden noch kommen?

 

 
  Jason: Im Moment arbeite ich an der 8. Folge, die uns zum Ende der 4. Season (Regiment/Mission/Siege) bringt. Danach werde ich das Material meiner letzten Sharpe-Tour schneiden, die ein bischen kürzer als gewöhnlich war, so dass sie mit 2 Episoden (H9 und H10) abgedeckt sein wird. Ich denke, man könnte einen Film machen, der die ganze "Harris"-Serie umfängt oder vielleicht einen Film, der ein Vorläufer für ein mögliches Buch über mein gesamtes Leben mit Sharpe vom ersten Vorsprechen bis zum heutigen Tag sein könnte - man wird sehen!
     

Renate: Wenn Sie zurück an den Anfang denken, wußten Sie und ihre Schauspieler-Kollegen vorher, dass sie alle in ein fremdes Land sehr weit weg von England transportiert werden würden?

 

 
  Jason: Vor dem Vorsprechen wurde uns gesagt, dass die Arbeit beinhalten würde, für 16 Wochen nach Rußland zu gehen - das kam einem in den frühen 90ern wirklich sehr weit weg vor.
     

Renate: Wir müssen wir uns diese Reise vorstellen? Ich nehme mal an, sie mußten nicht bis zur Krim laufen?

 

 
  Jason: Nein, wir haben strenge Vorschriften, wie ein Schauspieler zum Drehort gelangt, aber wenn wir die nicht hätten - ich bin sicher, die Produzenten hätten sich Wege ausgedacht, wie sie uns zu Fuß in die Ukraine gebracht hätten. Obwohl - das hätte zu lange gedauert, und im Film-Business ist Zeit Geld.
Im ersten Jahr sind wir zunächst nach Moskau geflogen und von dort weiter nach Simferopol in der Ukraine. Später dann ging es direkt von London nach Simferopol in einer Charter-Maschine derAeroflot/Air Ukraine. Nach der ersten und dritten Dreh-Saison auf der Krim flogen wir jeweils mit einer anderen Charter-Maschine nach Lissabon, Portugal zu weiteren Dreharbeiten, bevor wir nach Hause zurückkehrten.
In den letzten beiden Seasons der "Scharfschützen" benutzten wir einen englischen Charter-Flieger [H5] UND Turkish-Airlines-Linienflüge, um von und nach Antalya, Adana und Instanbul zu gelangen.

     

Renate: Da man neben den Schauspielern noch eine Menge mehr zum Drehen braucht, wie wurde das gemacht? Zum Beispiel mit den Kostümen, der Ausrüstung, den Kameras usw.? Was ich meine, ist, wurde diese ganze Ausstattung mit aus England gebracht? Oder haben die Produzenten das in der Ukraine gekauft?

 

 
  Jason: Sachen in der Ukraine kaufen? Ha Ha! Nein, all das sperrige Equipment von der Kamera über Kostüme, Make up, Ton- und sonstige Ausstattung wurde auf große Trucks geladen und quer über Land gefahren, wo immer wir gerade unser Lager aufgeschlagen hatten.
     

Renate: Gab es eigentlich einen Unterschied zwischen den "Stars" und den Nebendarstellern bezüglich der Anwesenheit am Set? Man hört öfters, dass der Star eingeflogen wird, um seine Szenen zu drehen und dann schon wieder verschwunden ist, und die anderen Szenen werden ohne ihn gedreht. Wie können wir verstehen, wie das bei "Sharpe" gemacht wurde?

 
 

Jason: Nun, die Stars von Sharpe, für mich waren das Sean und Daragh, und die, mit einigen Ausnahmen, blieben die ganze Zeit über während des kompletten Drehplans am Set.

Grundsätzlich sind die Schauspieler mit großen Rollen für die ganzen 30 Tage oder so, die es normalerweise brauchte, um eine Folge zu drehen, vor Ort; die mit kleineren, aber signifikanten Rollen wie Simmerson, Ramona, Wellington, Frederickson oder Ducos wurden ein- und ausgeflogen. Am Set von Sharpe führte man sich nicht "star"-mäßig auf und verbrachte dann gleichzeitig außerhalb der Dreharbeiten eine gute Zeit mit dem Rest der Crew.

Der ganze Spaß wurde von den normalen Leuten, so wie Lyndon (Perkins), mir oder Saint (der Rasta Tonbaum-Operator) gemacht oder initiiert, also kamen die meisten, die ein bischen Unterhaltung suchten, normalerweise zwecks "Rat" zu einem von uns.

     

Renate: Wenn man die Szenen betrachtet, die in der freien Natur spielen, dann sind die offenbar komplett "vor Ort" gefilmt? Und könnten Sie uns erzählen, wie sie zu den jeweiligen Locations kamen?

 

 
  Jason: Wir haben regelmäßig auf halber Höhe eines Berges oder an einem Fluß bzw. in einem Tal gedreht, und da wurden wir mit dem Auto hingefahren. In den ersten beiden Jahren wurden alle Schauspieler in vollgestopften, heruntergekommenen und unbequemen Mini-Bussen zu den Drehorten gebracht, das bedeutete zwei Fahrten, die eine Stunde (und mehr) brauchten, täglich. In späteren Jahren beschwerten wir uns bitterlich, bis schließlich eingewilligt wurde, uns in normalen Autos zu den Locations zu bringen. [H1]
     

Renate: Aber was ist mit den Innen-Szenen? Wurden diese für gewöhnlich in einem Studio in England gedreht?

 

 
  Jason: Nur Szenen, die tatsächlich in England spielten, wurden auch im Vereinigten Königreich gedreht. Mit der Ausnahme der ursprünglichen Dinner-Party-Szenen mit Blas Vivar und den Rothschilds und der "Chosen Men"-Essens-Szene im Kloster aus "Die Scharfschützen - Das Banner des Blutes/Sharpes Rifles". Diese wurden in Apethorpe Manor in Stamford mit Paul McGann in der Titelrolle gedreht, dann aber mit Sean als Sharpe in Portugal in einem echten Kloster wiederholt.
Ansonsten wurden Innenräume, Studios oder Sets in der Ukraine, in Portugal und in der Türkei genutzt [H5] wenn irgendwelche Szenen zu filmen waren, die innen spielten.
     

Renate: Ich habe mich vor allem gewundert über die verschiedenen Szenen, die in Zelten spielen - sie sehen so aus, als ob sie wirklich in Zelten gefilmt wurden?? Oder wie wurden die gemacht?


 
  Jason: Oft genug in jeder Folge spielte ein Camp voller Soldaten mit ihren Zelten in Reih' und Glied eine Rolle. [H1, H6] Der Kommandant (meistens Wellington) hatte normalerweise das größte Zelt, und in dem wurden dann die Innen-Zelt-Szenen gedreht. Die einzige Ausnahme war, als wir die Ramona-Geburtsszene filmten (Die Scharfschützen - Der Preis der Ehre/Sharpes Honour) wo Zeltbahnen in einem geheizten Vorraum der Polikur-Studios benutzt wurden.
     

Renate: Was mich erstaunt hat, war, dass die Scharfschützen von Anfang an so klar definiert sind - Ich meine, wo Sean Bean als Richard Sharpe anscheinend erst herausfinden muß, wer er ist, scheinen sich Harper, Harris, Hagman, Cooper, Tongue und Perkins so wohl zu fühlen in ihren Soldaten-Leben, als ob sie schon einige Zeit zusammengelebt hätten und sich gut kennen. Haben Sie hierfür eine Erklärung?

 

 
  Jason: Laut Script befinden wir uns auf dem Rückzug von Corunna, Portugal während Britanniens erster europäischer Land-Offensive auf der spanischen Halbinsel. Harper und die "Chosen Men" sind eine Einheit unter Colonel Dunnett und Capt Murray und haben seit Jahren zusammen gekämpft. Sharpe wird dann von Wellington zum Leutnant erhoben und wir sind sein erstes Kommando. Er muß uns erst kennenlernen und unseren Respekt gewinnen.
     

Renate: War "Die Scharfschützen - Das Banner des Blutes/Sharpes Rifles" tatsächlich die erste Episode, die gedreht wurde?

 

 
  Jason: Ja, wir haben mit "Rifles" angefangen, aber dann wurden Szenen aus "Die Scharfschützen - Der Adler des Kaisers/Sharpes Eagle" gedreht, es wurde dann zwischen beiden Episoden hin- und hergesprungen, hauptsächlich wegen des Wechsels des Sharpe-Darstellers von McGann zu Sean Bean.
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Interview mit Rifleman Harris

Teil 1