Ein Treffen mit Jason

Am Dienstag, den 6. Februar 2007, ist es soweit: Ich treffe "Rifleman Harris" aka Schauspieler und Film-Autor Jason Salkey.

Es hätte auch früher schon Möglichkeiten gegeben, ihn zu sehen - Jason war zum Beispiel auf den "Sharpe Conventions" der letzten Jahre, aber ich habe es geschafft, diese Gelegenheiten immer zu verpassen! Nachdem ich auf dieser Website über die "Harris Diaries" schreibe, was auch bedeutet, das ich die Video-Tagebücher ziemlich oft angesehen habe, war ich wirklich neugierig geworden auf die Person hinter dem "Rifleman".

     

.

.

.

.

.

.

.

 

Ich habe diese Theorie über meine Mitmenschen: Willst Du etwas wesentliches über eine bestimmte Person herausfinden, sieh Dir seine/ihre Arbeit an!

Und was ich bei Jason durch seine Filme meinte erkennen zu können, war eine große Ehrlichkeit und Hingabe zu seiner Arbeit.

So, wie würde es also sein, in persönlich zu treffen? Auf diesem Kurz-Trip nach London hatte plötzlich alles zusammengepaßt, und so stehe ich hier, an einer Underground-Station in London, dem vereinbarten Treffpunkt.

Jason ist schon da. Nach einer kurzen Begrüßung fordert er mich auf, in sein kleines graues Auto zu klettern - und - große Überraschung! - lädt mich doch tatsächlich in sein Haus ein.

Alle seine Sharpe-Memoria seien dort, und so könnte ich sie sehen. Nun ja, was für eine Antwort ist wohl von jemandem zu erwarten, der große Teile seiner Website "Sharpes Welt" gewidmet hat?

Muß man das wirklich fragen? ;-)

Auf der Fahrt entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung über Gott und die Welt - bzw. über Background, Politik und Fußball, und das ist die erste Jason-Entdeckung:

Man kann gut mit ihm reden.

__________________

 

 

 

   

Jasons Haus ist der Inbegriff eines englischen Heims: Ein zweistöckiges Reihenhaus, erbaut aus roten Ziegeln. Wohnraum und Küche sind kombiniert, ein großer lichtdurchfluteter Raum, in dem ich mich gleich wohl fühle. Ich bekomme die versprochene Tasse Tee, dann zeigt mir Jason die anderen Zimmer. Und Jason hat nicht gelogen, wenn er sagt, dass Sharpe ein wichtiger Teil seines Lebens war und ist. Ich sehe: Die Harris Diaries, hergerichtet zum Versand in alle Ecken der Welt, den Computer, an dem sie entstehen, und all die Dinge, die Jason von Fans im Lauf der Jahre bekommen hat: kleine Riflemen mit karottenrotem Haar, zum Beispiel, und vieles mehr..

Und: Fotos. Sharpe-Bilder überall. Große Fotos gerahmt an den Wänden. Professionelle Schwarz-Weiß-Abzüge, kleine, verblichene Farb-Fotos, eine reizende "Rifleman-Harris"-Zeichnung. Und: 9 Photoalben!! Meine Güte, 9 Bücher voll mit Erinnerungen in Bildern, Zeitungsausschnitten, lustigen Beschreibungen und passenden Bild-Überschriften... Die ganze verrückte Film-Welt vor und hinter der Kamera entfaltet sich vor meinen Augen. Ich sitze am Küchen-Tresen mit meiner Tasse Tee in Händen und schaue sie alle an, und zusammen mit Jasons Kommentaren, seinen traurigen und glücklichen Erinnerungen tauche ich tief ein in die Jahre, in denen die Sharpe-Filme entstanden sind.

 

 

Jason Salkey in der Küche seines Hauses in London, zusammen mit mehreren Fotoalben, Bildern, und einer Tasse Tee... oh ja, ich bin übrigens auch da - da auf der anderen Seite, einfach nur über die Schulter schauen, dann bin ich zu sehen ... :-)
Foto: rg/6. Februar 2007

 
   

Da es bis jetzt (aber das ändert sich womöglich bald) nicht viel über die ersten Filmjahre von Sharpe gibt - Jason hatte seine Videokamera erst ab dem 3. Jahr dabei - ist das der Teil, bei dem wir am längsten verweilen. Ich weiß jetzt sehr viel mehr über die erste "Kampagne" 1992, als sie alle von good old England aus loszogen auf die unbekannte, wilde Krim. Ein Teil der Welt, der für den Westen bis 1989 verbotenes Terrain war.

Es ist total merkwürdig, die Schauspieler zusammengedrängt in den Zelten kauern zu sehen, die damals als ihre Unterkunft dienten, und zu wissen, dass sie gerade darauf warten, Soldaten zu spielen, die in genau solchen Zelten gelebt haben! Sean Bean hatte übrigens auch so eine gemütliche Unterkunft.

Man wird mit voller Wucht mit dem Thema konfrontiert, das sich durch alle Sharpe-Filme und Harris Diaries zieht: Wo endet die Realität, wo beginnt die Fiktion? Sogar der McGann-Unfall paßt in dieses Schema und ein Rätsel hat sich auch für mich gelöst: War da nicht immer eine gewisse Zurückhaltung zu spüren, wenn die Sprache auf Paul McGann kam? War das vielleicht, weil McGann beliebter bei seinen Kollegen war, als dann Sean Bean? Vielleicht bedauerten die anderen Schauspieler McGanns Weggang? Also, ich kann jetzt sagen: Nein, das war es nicht. Es ging um eine viel subtilere Reaktion, da jedoch Herr Salkey das wohl in einem seiner Diaries zur Sprache bringen wird, gehe ich hier nicht ins Detail. Aber hier habe ich noch etwas über Jason gelernt:

Er nimmt sehr aufmerksam seine Umgebung war und hat ein gutes Auge für Details und menschliches Verhalten.

_____________________

 

Während ich mich weiter durch die Fotoalben arbeite, platzt Jason, ein Sportler seit Studienzeiten, fast vor unterdrückter Energie. Schon ist er unterwegs, um einige spezielle Fotos für mich zu finden... und wo war die Videokassette mit dem ersten Rohschnitt seines nächsten Diaries? Mit 1,82 m ist er nicht auffällig groß oder klein, und - nein - kein Gramm Fett, würde ich sagen, unter diesem lockeren T-Shirt und den bequemen Hosen.

Er ist ein Rotschopf mit gerade dem bischen Grau im Haar, um ihn authentisch wirken zu lassen. Und dann sind da eine Million Sommersprossen verteilt über das ganze Gesicht. Er sieht in Wirklichkeit genauso aus, wie auf dem Bildschirm, nur irgendwie besser. Und wenn ich nicht wüßte, dass sein Geburtsjahr irgendwann in der ersten Hälfte der Sechziger Jahre ist, hätte ich gewettet, dass er die Mitte Dreißig noch nicht erreicht hat.

In England ist sein Gesicht überall bekannt, seit er in den 1980ern für eine Bierkampagne für "Millers Lite" geworben hat. Jason, ein gebürtiger Engländer, ist mit seinen Eltern, als er 14 Jahre alt war, nach Amerika gegangen, als sein Vater, ein Schriftsteller, Poet, Radio-Sprecher in New England, USA, eine Anstellung als Lehrer für Dichtkunst und kreatives Schreiben fand. Er blieb dort für die nächsten neun Jahre, und diese Erfahrung mit einer fremden Kultur erklärt vielleicht seine Offenheit und Leichtigkeit im Umgang mit Anderen.

 

 
   

Nahezu 2 (!) Stunden sind vorbeigegangen wie im Flug und mein Besuch kommt zu seinem Ende. Jason hat schon sehr viel am Diary Nr. 7 getan und er erlaubt mir einen exklusiven Blick hinein. Der Kommentar muß noch gemacht werden, sicherlich der schwierigste Part, denn er muß alle Teile zusammenfügen, den Bildern ihre Bedeutung geben und Rifleman Harris' Gedanken darüber ausdrücken. Dieses Video-Tagebuch ist über "Sharpes Revenge", Sean Bean wird drin sein und wir werden wieder mehr erfahren über das große Abenteuer, dass die Filmarbeiten darstellten.

Oh, und ja, ich habe auch einige weitere Details über Sean Bean erfahren. Ihr wollt wissen, was? Nun, dass er im wesentlichen der zurückhaltende Mann ist, dem wir auch in den Harris Diaries begegnen. Schaut sie euch an, und ihr wißt, was ich meine.

Und dann habe ich habe diese Theorie über meine Mitmenschen: Willst Du etwas wesentliches über eine bestimmte Person herausfinden, sieh Dir seine/ihre Arbeit an.

Hier habt ihr die einmalige Chance, einen Blick auf Sean Beans Arbeit zu werfen und gleichzeitig zu beobachten, wie er diese Arbeit tut! Das sollte man nicht verpassen. Das neue Diary kommt hoffentlich im Lauf des Mai diesen Jahres heraus.

...Doppel-Selbstporträt - Foto: rg/06. Februar 2007

Am Ende besteht Jason darauf, mich zur nächsten U-Bahn-Station zu fahren. Ich bekomme die Abschiedsküsse, rechts und links, gebe sie in guter Ordnung zurück und sage ein letztes Auf Wiedersehen. Überwältigt von allem, was ich gesehen und gelernt habe, drücke ich den Umschlag mit den extra von Jason unterschriebenen Fotos an mich (auch die kann man auf Jasons Site www.riflemanharris.co.uk bestellen) und versuche, wieder in die Wirklichkeit zurückzufinden.

Ja, denke ich, dieser Jason, Engländer, Amerikaner, Sportler, Schauspieler, Filmemacher, er ist so, wie ich dachte - ehrlich und seiner Arbeit verpflichtet, und er ist... ich kann jetzt kein besseres Wort finden und schließlich sind wir in England...ein Gentleman...

 

       
       
       
       
zurück zu den Harris Diaries +++ zurück zu Sharpe  
  back Home  
rg/1 März 2007